Engelchen, Teufelchen und das Karate Do

teufelchen

*** aktuell Kommentar von “protagonist” freigegeben. Sehr lustig***

Vor einigen Tagen habe ich eine Email von einem Protagonisten ** erhalten, die ich interessant fand. Ich habe bisher noch keine Antwort auf meine Bitte erhalten, seine Mail komplett ins Blog kopieren zu dürfen. Ich erzähle Euch also grob in eigenen Worten worum es geht: der Protagonist ** hat sich zunächst über sieben Zeilen vorgestellt, inklusive der erreichten Kyu Grade unterschiedlicher Kampfsportrichtungen. In den restlichen zweieinhalb zeilen der Mail hat er dann geschrieben, dass ich do nicht korrekt leben würde wie do es vorschreiben würde. Hier ist sicher ein Zitat erlaubt: „Ich habe in den vielen jahren tiefe einblicke in die budokünste erhalten, ich kann mich für meinen Teil sicher auf dem do zu bewegen deshalb möchte ich dir den guten hinweis geben daß du do nicht korrekt lebst wie do es vorschreibt. Freilich kannst du machen was dir beliebt doch wenn du respekt hast wirst du dich in zukunft anders verhalten.“ Diesem Satz folgt ein Gruß und das wars.

Okay, was ist denn nun für mich die Botschaft dieser Mail? Beispiele wären schön gewesen.

Das ist jetzt im Grunde so eine Sache, wo Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter sitzen und heftig miteinander streiten was ich nun aus dieser Mail entnehmen soll.

Engelchen: Wahnsinn, der hat sich aber Mühe gegeben, seine beeindruckende Laufbahn zu schildern um zu zeigen, wie kompetent er ist. Das ist sooooo nett von ihm.

Teufelchen: Ach, Du naives Flattervieh der wollte sich nur selbst darstellen weil er ein ganz armes Würstchen ist, vielleicht geht dem einer ab dabei weil er denkt, du hältst ihn jetzt für einen echten Siegertypen

Engelchen: Sei doch nicht so, der ist bestimmt nett und meint es richtig gut. Und schlau ist er auch. Er hat nämlich ein Patentrezept für Do, der scheint echt zu wissen wie Do gelebt werden muss.

Teufelchen: Na klar und ich arbeite in meiner Freizeit als Kellner in pinkfarbenem Röckchen und Ledermütze in der Schwulenbar und spende mein Trinkgeld dem katholischen Frauenchor Münster.

Engelchen: Du und Dein Pessimismus, kannst Du nicht ein Mal in das gute im Menschen glauben?

Teufelchen: Nö, wozu ich bin der Teufel?

Engelchen: Aber Du musst zugeben interessant ist es schon, willst Du ihn gar nicht fragen, wie sein Patentrezept aussieht?

Teufelchen: Du glaubst doch auch an den Weihnachtsmann nur weil Du mal jemanden in einer roten Verkleidung mit weißem Bart gesehen hast, oder? Es gibt kein Patentrezept.

Engelchen: Woher willst Du das denn schon wieder wissen? Bist Du jetzt auch ein Experte für Do?Ich hasse Teufel, die sind immer so arrogant und unhöflich.

Teufelchen: Danke, das ist ein nettes Kompliment, wenn ich nicht schon rot wäre, würd’ ichs werden. Nein, ich bin ein Experte für Menschen und leider ist das Pack hochgradig von Individualität befallen. Jeder hat andere Laster, jeden muss ich auf andere Weise in Versuchung führen wenn ich ihren Charakter verderben will. Ich gebs zu, ich bin faul. Wäre mir auch lieber wenn ich die gesamte Menschheit mit billigen Prostituierten in Versuchung führen könnte, ich hab’s auch versucht – hat nicht funktioniert. Die Menschen sind da ganz eigen, die einen kriegste so, die anderen so – aber kriegen tust Du sie immer. Ist doch bei Euch da oben nicht anders, ihr seht doch die guten Seiten der Menschen, sind die etwa alle gleich?

Engelchen: Nein, da hast Du tatsächlich recht. Jeder Mensch ist auf eine andere Weise wundervoll und ehrenwert, jeder Mensch begegnet auf dem Weg seines Lebens anderen Hürden und Herausforderungen, denen er sich stellen muss um sich als würdig zu erweisen, um an sich selbst zu wachsen.

Teufelchen: „wundervoll und ehrenwert“ wenn ich das schon höre. Also bei Euch da oben möchte ich ja nicht mal tot übern Zaun hängen. Aber sei’s drum. Kapierst Du jetzt was ich meine?

Engelchen: Ich sage es ungern mein dunkler Mitstreiter aber unter dem Strich bedeutet das, wo ich bin bist auch Du nicht weit. Kaum sitz’ ich hier auf der Schulter entdecke ich Dich sofort auf der anderen Seite.

Ich verscheuche jetzt mal wieder die absichtlich etwas überzogene, nicht ganz ernst gemeinte Talkshow auf meiner Schulter und frage okay, was ist also Do? Ich bin am absoluten Anfang, ich kann diese Frage allgemein nicht beantworten, ich erhebe nicht den Anspruch etwas zu wissen oder zu können oder gar schon zu leben. Ich bin nur ich, ich forsche.  Jedoch habe ich für mich diesen Begriff trotzdem definiert: für mich ist Do das beständige Arbeiten daran, Balance mit sich selbst und der Welt anzustreben. Das Leben eines jeden Menschen ist einzigartig, so wie er selbst. Aus meinem momentanen Weißgurtverständnis kann niemand sagen „ja genau so ist es richtig, das ist do“.Für mich ganz persönlich, für mein Leben wie es genau jetzt ist, hat im Moment die Bedeutung von Yuishinkan einen höheren Stellenwert als Do  [karate/?page_id=394">Interview mit Alf siehe Trainingshilfen- Yuishinkan], die Übersetzung inspiriert mich. Halle,  in der allein der Einsatz ( Hingabe) aus vollem Herzen zählt ( “spirit first”). Halle, ja klar da kann man jetzt beispielweise zuerst an Trainingshalle denken was sicher auch richtig ist. Doch seitdem ich diese Übersetzung gehört habe denke ich so oft: ist vielleicht das Leben als Ganzes die Halle ?

Die Mail vom Protagonisten ** hat mich auf Grund ihrer Aufteilung auch an einen Satz erinnert, den ich in irgendeinem meiner Navy Seal Bücher gelesen habe, frei übersetzt und erinnert geht der so: „Solange es sich um Dein Ego dreht, geht es nicht um die Mission. Wenn es nicht um die Mission geht, geht es nicht um das Ziel. Wenn es nicht um das Ziel geht verlasse nicht das Camp.“


** Der Nickname des Schreibers wurde nachträglich auf dessen Bitte zum Identitätsschutz geändert. (26.08.09 15:45 Uhr)

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